Kreuzotter (Vipera berus)

 

Aussehen und Merkmale

Bei der Kreuzotter handelt es sich um eine mittelgroße Giftschlange. Für eine Viper setzt sich der längliche Kopf relativ wenig vom Körper ab.

Erwachsene Exemplare erreichen meist Längen um 60-85cm, es sind aber auch größere Tiere bekannt.

Altersunabhängig sind weibliche Kreuzottern immer größer und massiger gebaut aus männliche Tiere. Charakteristisch für Kreuzottern sind ihre Augen:

 

die Pupille ist senkrecht geschlitzt, die Farbe kupferfarben/rötlich. Die vorgewölbten Schilder über den Augen verleihen der Viper den „strengen Blick“.

Die Färbung der Tiere ist extrem variabel. Von Beige- und Brauntönen reicht sie über graue und gelbe bis hin zu rötlichen Farben. Über den Rücken verläuft meist ein Zickzack-Band, die Flanken tragen dunkle Flecken. Auf der Kopfoberseite prangt meist eine X- oder V-förmige Zeichnung.

Männliche Tiere sind stets heller als weibliche. Selten kommen einheitlich rotbraune Kreuzottern vor (im Volksmund als „Kupfer-“ oder „Feuerotter“ bekannt). Meist handelt es sich hierbei um weibliche Tiere.

Häufiger sind hingegen melanotische (größtenteils bzw. komplett schwarze) Tiere. Gerade in höheren Lebensräumen sind diese Schwärzlinge („Höllenotter“) häufiger anzutreffen, vermutlich, weil sie sich durch ihre schwarze Farbe in den kühleren hohen Regionen effektiver aufwärmen können.

 

 

Verbreitungsgebiet der Kreuzotter. Quelle: Wikipedia
Verbreitungsgebiet der Kreuzotter. Quelle: Wikipedia

Verbreitung

Von allen Vipern hat die Kreuzotter nicht nur das größte, sondern auch das sich am weitesten nördlich erstreckende Verbreitungsgebiet. Sie ist die einzige bekannte Schlange, die man auch nördlich des Polarkreises antreffen kann.

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom westlichen Großbritannien über das europäische Festland nach Asien bis zur Insel Sachalin. Trotz des riesigen Verbreitungsgebietes unterscheidet man nur 3 Unterarten der Kreuzotter.

 

Lebensraum

Entsprechend dem großen Verbreitungsgebiet wird eine Vielzahl von Lebensräumen besiedelt. Hauptansprüche der Kreuzottern an ihr Umfeld sind hierbei das Vorhandensein sowohl von Deckung als auch von sonnenexponierten Flächen. Auch eine gewisse Bodenfeuchte sollte gegeben sein. Randgebiete von Mooren, feuchte Heidegebiete, Dünen und Waldränder im Tiefland sind ebenso geeignete Habitate wie Blockschutthalden und Felsfluren im Gebirge.

 

 

Lebensgewohnheiten

Die Kreuzotter ist tagaktiv, lediglich bei zu hohen Temperaturen beschränkt sich ihre Aktivität auf die frühen Morgen- und Abendstunden. Besonders hohe Aktivität ist bei schwülem Wetter und nach längeren Regenperioden zu verzeichnen, während sie bei Wind ihr Versteck kaum verlässt. Kreuzottern sind sehr scheu und flüchten meist bei Annäherung, treibt man sie in die Enge kommt es zu Drohgebärden wie Zischen und Scheinbissen, bevor sie tatsächlich zubeisst.

Sie gehört zu den Lauerjägern. Beutetieren wird mittels einem schnellen Biss Gift injiziert, anschließend wird die Beute verfolgt und im Ganzen verschlungen.

Zum Nahrungsspektrum gehören zum Beispiel Kleinsäuger, Frösche und Eidechsen.

 

Fortpflanzung

Die Paarung der Kreuzottern findet im Frühjahr statt. Zu dieser Zeit kommt es zwischen rivalisierenden Männchen zu sogenannten Kommentkämpfen, bei denen sich die Männchen gegenseitig niederringen, bis das unterlegene Tier aufgibt.

Vor der eigentlichen Paarung kommt es zu einem ritualisierten Vorspiel, wobei das Männchen das Weibchen intensiv bezüngelt und Körperkontakt sucht.

Etwa drei bis vier Monate nach der Paarung bringt das trächtige Weibchen die Jungen zur Welt. Kreuzottern gehören zu den lebendgebärenden Tieren, d.h. Die Jungtiere kommen voll entwickelt in dünnen Eihüllen zur Welt, die meist noch während des Geburtsvorgangs verlassen werden. Die Wurfgröße liegt meist zwischen 3-18 Tieren, die bei der Geburt etwa Stiftgröße haben.

Eine besondere Fähigkeit der Kreuzotter, die als Anpassung an ihre teils extremen Lebensräume zu verstehen ist, ist die Fähigkeit der weiblichen Tiere im Falle eines frühen Kälteeinbruchs die Geburt zu verzögern. Das trächtige Weibchen geht dann in die Winterruhe und gebärt erst im folgenden Frühjahr.

 

Biss und Giftwirkung

Ihr Gift setzt die Kreuzotter vorrangig zum Beuteerwerb ein. Menschen werden nur gebissen, wenn die Schlangen sich bedroht fühlen, und auch hier im Normalfall lediglich als letzte Verteidigungsmaßnahme.

Gefährdet ist man z.B. beim Pilze- oder Beerensammeln, wenn man beispielsweise unvorsichtig in Gebüsche greift. Bisse vermeiden kann man, indem man kräftig auftritt und unübersichtliche Areale vorsichtig mit Stöcken abklopft. Die Schlangen werden dann in der Regel fliehen.

In bekanntem Kreuzottergebiet bietet sich zudem geeignete Kleidung an: festes Schuhwerk und lange Hosen.

Kommt es dennoch zu einem Biss, treten meist Symptome wie Übelkeit, Herzklopfen, leichte Schwellungen auf. In schweren Fällen kann es zu Krämpfen, Durchfall, Bewusstseinstrübungen und stärkeren Schwellungen sowie Hautverfärbungen kommen.

Auf keinen Fall sollte man eigenhändig die Bissstelle manipulieren, stattdessen sollte man den nächsten Arzt bzw. in ernsteren Fällen eine Klinik aufsuchen.

 

Natürliche Feinde und Gefährdung durch menschliche Einflüsse

Zu den natürlichen Feinden der Kreuzotter gehören z.B. Greifvögel, der Rotfuchs, Iltis, Dachs und das Wildschwein.

Früher wurden die Giftschlangen noch häufig vom Mensch erschlagen, dies kommt zwar immer noch teilweise vor, ist aber rückläufig.

Hauptgefährdung durch den Menschen ist die Zerstörung geeigneter Lebensräume z.B. durch Bewirtschaftung oder Bebauung.

 

 

Quellenangaben

-Die europäischen Vipern (De Smedt; 2001)

-Reptilien und Amphibien Europas (Kwet; 2010)

-Auf Schlangenspuren und Krötenpfaden (Meyer et al.; 2009)

-Taschenlexikon der Amphibien und Reptilien Europas (Glandt; 2010)

-Wikipedia.de

 


Auf das Bild klicken, um zur Kreuzotter-Galerie zu kommen.
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